LebensWandel-Blog

Von “finsteren Wahrheiten” und “hehren Idealen”

Eine Klientin fragt an, ob sie einen neuen Termin machen könne, obwohl sie ihre Hausaufgabe nicht gemacht habe. Ich frage zurück, warum ich meine Zeit mit ihr verschwenden solle, wenn sie sich selbst nicht ernst nähme. Mir stockt dabei selbst der Atem und gleichzeitig weiß ich, dass es wichtig ist, ihre mangelnde Selbstachtung zu thematisieren.

Als ich sie in der nächsten Stunde danach frage, wie sie meine Antwort aufgenommen hat, berichtet sie von einer „Schockstarre“ und dem Satz „Mit mir kann eben keiner arbeiten!“ Als Gefühl hinter der Schockstarre identifizieren wir später Scham.

Einen Satz, wie sie ihn dachte, bezeichne ich hier als „finstere Wahrheit“.

Natürlich IST er kein bisschen wahr. Aber sie macht ihn für sich jeden Tag wieder wahr: Dadurch, dass sie glaubt, eine Zumutung zu sein, wird sie es, zuerst für sich selbst. Und wenn sie sich dann nicht traut, mich wieder für einen neuen Termin anzurufen, auch für andere! Das nennt man dann „Sich selbst erfüllende Prophezeiung“.

Wie lange könnte man wohl das Gefühl tiefer Beschämung aushalten, das mit dem Satz einhergeht, wenn man ihn wirklich ernst nimmt und fühlt? Wie könnte man dauerhaft funktionieren und leben mit dieser Gewissheit? Niemand könnte das lange aushalten!

Die wichtige Funktion von Scham besteht darin, dem „SichSchämer“ zurückzumelden, dass er etwas GETAN hat, was von der Gemeinschaft nicht gebilligt bzw. sehr negativ bewertet wird. Akzeptanz und Selbstachtung kann durch passende Aktivitäten zurück gewonnen werden.

Meine Klientin dagegen schämt sich FÜR SICH ALS PERSON. Trotzdem ist ihr unbewusster Lösungsmechanismus der gleiche. Sie nimmt sich etwas vor und glaubt, dass man mit ihr arbeiten können wird, wenn sie das erfolgreich umgesetzt hat. Dann ist sie keine Schande mehr… dann „ist alles gut“! Das, was da vorgenommen wird, nenne ich „hehres Ideal“.

Das perfide und geniale an „hehren Idealen“ ist, dass sie garantiert nicht funktionieren!

Meine Klientin erzählte mir, dass man mit ihr nicht arbeiten kann, weil sie „mit allem gleich rausplatzt“. Als wir das „Rausplatzen“ erforschten, stellt sich heraus, dass „Rausplatzen“ ganz wichtig für sie ist, weil „Wahrhaftigkeit“ ihr höchster Wert ist.

Sie nimmt sich also immer wieder vor, nicht rauszuplatzen, scheitert täglich daran und bestätigt sich damit jeden Tag auf´s Neue, dass „man mit ihr eben nicht arbeiten kann“ – sie kann es ja nichtmal selber!

Ein absurder Teufelskreis? Eigentlich schon! Und gleichzeitig geniale „Psycho-Logik“ – Und zwar bei jedem Menschen der – gegen seinen Willen – über Jahre das gleiche macht: Das Unterbewusstsein sorgt dafür, dass die absurde Idee nicht angenommen wird, dass ich anders sein müsste, damit man mich lieben (mit mir arbeiten, an mich glauben, mich in meiner Einzigartigkeit wertschätzen) könnte! Es hält den Teufelskreis am Laufen, lässt uns so lange immer wieder in die Falle tappen, bis wir verzweifelt und zornig genug sind. Bis genug Druck da ist, mich endlich so mit mir selbst auseinander zu setzen, dass ich WIRKLICH HEILEN kann. Statt weiter „Fassadenkosmetik“ zu machen, mit der ich den Schein wahren kann, um mich dahinter zu verstecken und immer hohler und leerer zu fühlen.

Praxistipp:

1.  Entdecke ein „hehres Ideal“ und die „finstere Wahrheit“ dahinter:

a.  Worüber denkst Du „wenn ich das endlich „im Griff“ hätte, wäre alles gut“? Was musst Du tun, damit… (Du „gut“, „richtig“, „liebenswert“ bist)?

b.  Welche finstere Wahrheit – über Dich als Person – versteckst Du (meistens erfolgreich) vor anderen und Dir selbst?

 

Willst Du sie nicht endlich zu Grabe tragen?

 

2.  Dann entscheide Dich, zu akzeptieren, dass Du nicht anders sein musst, um liebenswert zu sein! Jedes lebendige Wesen sollte und darf geliebt sein – das Leben ist doch eh schon schwer genug!

3.  Überlege Dir, in welcher Form Du Dir in den nächsten drei Wochen jeden Tag selbst liebevolle Aufmerksamkeit schenkst! (Die ganz Mutigen probieren dazu, ihr „hehres Ideal“ NICHT umzusetzen, sondern bewusst das Gegenteil zu tun!)

Anne Theißen

Die zwei Wölfe

Ein alter Indianer erzählte seinen Enkelkindern folgende Geschichte:

“In mir findet ein schrecklicher Kampf statt. Es ist der Kampf zwischen zwei Wölfen.

Der eine Wolf verkörpert Angst, Ärger, Neid, Leid, Bedauern, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Schuldgefühle, Groll, Minderwertigkeitsgefühle, Lügen, falscher Stolz, Überlegenheit und Selbstsucht.

Der andere Wolf steht für Freude Frieden, Liebe, Hoffnung, Teilen, Friedfertigkeit, Demut, Freundlichkeit, Wohlwollen, Freundschaft, Großzügigkeit, Wahrheitsliebe, Mitgefühl und Glaube.

Derselbe Kampf findet auch in euch statt und in jedem anderen Menschen.”

Die Kinder überlegten eine Weile, dann fragte eines der Beiden seinen Großvater:

„Und welcher Wolf wird gewinnen?“

Der alte Indianer hatte eine schlichte Antwort:

„ Der, den Du fütterst.“

 

Praxistipp:

  1. Richte in der nächsten Zeit deine Aufmerksamkeit darauf, welchen „Wolf“ Du in deinen verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen fütterst.
  2. Nimm Dir mindestens eine Woche Zeit, es zu beobachten und zu dokumentieren, was Dir auffällt.
  3. Entscheide anschließend, wie Du weiter machen willst.
  4. Nimm dann die nächste Woche Zeit, das, was Du jetzt tust und dessen Wirkung mit ebenso viel Aufmerksamkeit wahr zu nehmen.

 Angelika Staudt

Endlich Frühling!

Kaum werden die Tage länger und die Sonne wärmt wieder, juckt es in den Fingern, neue Projekte zu beginnen, ein wenig auszumisten und Ballast loszuwerden, oder? Mir fiel beim Ordnen von Winter- und Sommerpullovern eine Aufgabe wieder ein, die ich einmal in einem Coaching-Prozess gestellt bekam und die mich an den Rand meiner Fähigkeiten brachte:

Ich sollte ausmisten – in zwei Schritten. Der erste Schritt bestand darin, alles aus Schubladen und Schränken zu nehmen und „einfach nur“ anzusehen, auf sich wirken zu lassen. Herauszufinden, welche Bedeutung – emotional oder praktisch – die Dinge in meinem Leben hatten. Während dieses Prozesses sollte ich nichts wegwerfen oder umsortieren oder auch nur „in einem Aufwasch“ die Schubladen auswaschen. Und genau dieser Teil der Aufgabe brachte mich an den Rand meiner Kooperationsbereitschaft! Ich dachte: „Was für eine Zeitverschwendung!“ Trotzdem beschloss ich nach zwei Tagen des „Regelbeugens“, korrekt vorzugehen und „nur“ anzusehen.

Ich nahm mir Zeit. Zeit, eine Beziehung zu den Dingen herzustellen, die ich angesammelt hatte. Zeit, zu spüren, welche Erinnerungen und Gefühle daran hingen. Zeit, den Wert der Dinge in meinem Leben zu erforschen. Und dann räumte ich sie wieder ein, bis ich im nächsten Schritt des Coachings die Aufgabe bekam, die Dinge, die keinen Wert mehr für mich hatten auszumisten, Dinge mit Wert wieder zu beleben, und mit diesem ganzen Prozess Raum für etwas Neues zu schaffen.

Monate später sah ich ein Video von Vera Birkenbihl. Darin erzählte sie, dass sie niemals etwas sofort verändert. Stattdessen lebt sie zunächst ganz bewusst 30 Tage damit! 30 Tage!!! Wahnsinn!!!

Warum so viel Zeit nehmen; zum Ansehen, zum damit leben? Ich habe durch meine eigene Erfahrung verstanden, dass man sich während dieser Zeit ganz BEWUSST auseinandersetzt. Bevor ich eine Sache loswerde oder eine Gewohnheit verändere, mache ich sie mir noch einmal zu Eigen. Ich übernehme die volle Verantwortung für das was ich tue. Ich nehme Kontakt damit auf und erforsche die Wirkung der Gewohnheit… im Innen und Außen. Dabei stelle ich mir immer wieder die drei folgenden Fragen:

  1. Wofür ist das gut, dass ich tue, was ich tue?
  2. Wie tue ich das genau?
  3. Welches Ergebnis bekomme ich dabei?

Die Antworten auf diese Fragen sammle ich schriftlich, um zu verhindern, dass das Anliegen wieder in der Versenkung des Unterbewusstseins verschwindet.

Und wenn ich lange genug geforscht habe, plane ich und treffe eine bewusste Entscheidung:

  1. Wie bekomme ich das Ergebnis, das ich mir wünsche?
  2. Was will ich wie genau ab jetzt tun? Weiter machen? Verändern?

Und dann beginne ich den Prozess der Veränderung. Und auch in diesem Prozess beobachte und forsche ich weiter. So lange, bis alles – in einer neuen Ordnung – wieder passt: Das Verhalten zur Gewohnheit geworden ist und das Ergebnis so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Vielleicht willst Du es ja einmal ausprobieren. Besonders empfehlen kann ich dieses wohlwollende Begleiten übrigens bei Themen, bei denen Schuldgefühle oder Scham normalerweise verhindern, dass wir uns ihrer je ganz bewusst werden.

Praxistipp:

  1. Identifiziere ein „angestaubtes“ Verhaltensmuster (z.B. in Deiner Liebesbeziehung) das vom „Frühjahrsputz“ profitieren könnte.
  2. Nimm Dir mindestens 10 Tage Zeit, es zu beobachten und zu dokumentieren, was Dir auffällt.
  3. Entscheide anschließend, wie Du weiter machen willst.
  4. Nimm dann die nächsten 10 Tage Zeit, das, was Du jetzt tust und dessen Wirkung mit ebenso viel Aufmerksamkeit wahr zu nehmen.

 Genieß die aufkommenden Frühlingsgefühle!

Anne Theißen

Seitenwechsel

Neulich sah ich mir die Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun an, den viele durch seine Arbeit zu den „Vier Seiten einer Nachricht“ kennen. Mich inspirierte dabei wieder seine Sicht auf Werte:

Schulz von Thun betont, dass Werte immer in Polaritäten vorliegen und die Integration von Wert-Gegensätzen das Geheimnis für Ausgeglichenheit und Erfolg ist. Was ist damit gemeint? Um das zu verdeutlichen zunächst einige Beispiele von Wertepolaritäten aus der Vorlesung:

Authentizit versus Einfühlungsvermögen:

AUTHENTIZITÄT, die nicht mit EINFÜHLUNGSVERMÖGEN gepaart ist wird zu TAKTLOSIGKEIT. Einfühlungsvermögen ohne Authentizität wird MANIPULATION.

Wertschätzung und Durchsetzungsstärke:

WERTSCHÄTZUNG ohne energische DURCHSETZUNGSSTÄRKE wird KRAFTLOSIGKEIT. Energische Durchsetzungsstärke ohne Wertschätzung wird repressive GERINGSCHÄTZUNG.

Zielstrebigkeit und Hinnahmebereitschaft:

ZIELSTREBIGKEIT ohne aufgeschlossene HINNAHMEBEREITSCHAFT wird ehrgeizige BESESSENHEIT. Hinnahmebereitschaft ohne Zielstrebigkeit wird FATALISMUS.

Diese Polarität bekommt meine volle Aufmerksamkeit: M.E. stellt sie ein allgemein menschliches „Problemfeld“ dar und bietet gleichzeitig großes Glücks- oder Erfüllungspotential. Im Coaching erlebe ich überwiegend Menschen, die durch Ihre unbewussten Verhaltensmuster auf einer der Polaritäten „festsitzen“ und sich selbst Schmerz zufügen:

Viele zielstrebige Menschen gönnen sich keine Ruhe und treiben sich ständig an. Trotzdem sind sie nie mit sich zufrieden, weil ihr gewohnheitsmäßiger innerer Abgleich zwischen Ideal und Realität ständig Negativabweichungen „auswirft“. Und deren Behebung „müssen“ sie sofort in Angriff nehmen – puh, anstrengend!

Viele hinnahmebereite Menschen dagegen haben sich in pessimistischen Lebenssichten und selbstbeschränkenden Handlungsmustern eingerichtet. Wenn sie feststellen, dass etwas nicht so geht, wie sie es sich wünschen, versuchen sie nicht, die Bedingungen zu verändern, sondern sie versuchen, ihre Wünsche zu vergessen. Ihr Selbstwert und –vertrauen leidet unter dem Gefühl, wenig Einfluss zu haben – wie schade!

Wenn aber beides zusammenkommt? Dann… kann der Zielstrebige „mit der Energie gehen“ oder „sich von der Lösung finden lassen“ während der Hinnahmebereite entdeckt, wie es gelingt, sich einzusetzen, und „wo man am besten den Hebel der Veränderung ansetzt“. Deshalb…

der LebensWandel Praxistipp:

  1. Finde heraus, wo Du Dich auf dem Kontinuum zwischen Zielstrebigkeit und Hinnahmebereitschaft befindest. Wenn Du stark zu einer Seite tendierst, möchstest Du in den kommenden Wochen vielleicht einmal ausprobieren, wie es Dein Leben bereichert, wenn Du die andere Polarität mehr in Dein Leben integrierst.
  2. Bist Du sehr hinnahmebereit? Dann probiere folgendes: Identifiziere einen Lebensbereich mit dem Du nicht so richtig zufrieden bist und momentan (und vielleicht auch schon länger) geduldig erträgst, wie es ist. Überlege Dir nun, was eine Person, die sehr zielstrebig ist, in dieser Situation tun würde! Denk Dir möglichst viele Varianten aus. Und dann probiere eine oder mehrere davon aus.
  3. Bist Du sehr zielstrebig und wirst sofort aktiv, wenn Dich etwas stört oder nicht so ist, wie Du es haben möchtest? Dann probier folgendes: Identifiziere ein Thema oder Problem, mit dem Du aktuell unzufrieden bist: Willst Du sofort etwas tun? „Verordne“ Dir statt dessen Untätigkeit. Verändere nichts an der Situation, beobachte „einfach nur“ was ist. Spüre Deinen Wunsch nach Veränderung, nimm die Gegebenheiten der Situation, alle Beteiligten und die Zusammenhänge wahr. Frage Dich, warum Du glaubst, sofort handeln zu müssen. Erlaube Dir, zu erleben, dass es NICHT DRAMATISCH ist, wenn Du nicht sofort etwas unternimmst.
  4. Tu, was Personen „der anderen Seite“ vielleicht tun würden und nimm wahr, wie sich das anfühlt. Könnte es mehr Zufriedenheit in Dein Leben bringen, gelegentlich „die Seite zu wechseln“?

Erfolgreichen Seitenwechsel!

    Anne Theißen

Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich!

So der Titel des Buchs das ich gerade lese und von dem ich berichten will – geschrieben vom „Pitbull der Persönlichkeitsentwicklung“ Larry Wingert.

Larry Wingert vertritt die Meinung – und das mit jeder Menge Provokation und nachfolgender Irritation – dass Menschen entweder zu dumm oder zu faul sind, oder dass es ihnen egal ist, das Leben zu führen, das sie sich wünschen.

„Zu dumm“ bedeutet für ihn, dass wir nicht die Kompetenzen hätten, die es bräuchte, um einen Schritt vorwärts zu kommen. Was – so Wingert – in den allermeisten Fällen nicht zutrifft, weil wir zumindest ETWAS kennen, was wir anders machen könnten (wie z.B. mit regelmäßigem Ausdauersport anzufangen, wenn wir an unserem „Hüftgold“ leiden). Wir seien also „zu faul“, indem wir dieses ETWAS nicht wirklich in die Tat umzusetzen.

Wenn es Dir geht wie mir, regt sich jetzt Widerstand in Dir, der sich ungefähr so anhört: „Was erlaubt sich der Mann: ich kann einfach nicht alles gleichzeitig und mit voller Energie betreiben“. Und ich würde sofort zustimmen. Nun… Winget möglicherweise auch.

Aber er würde nachhalten und sagen: Sie sollen ja auch nicht alles sofort und mit der gleichen Energie betreiben. Aber wenn Sie z.B. darüber klagen, dass Sie nicht genug Geld verdienen, und das vielleicht schon eine ganze Weile, dann sollten Sie in die Antwort auf die Frage, wie Sie zu mehr Geld kommen wohl anscheinend etwas mehr Energie stecken. Und da Sie das nicht tun, ist es ihnen offensichtlich egal, nicht mehr Geld in ihrem Leben zu haben. Denn über eins müssen wir uns ja leider im Klaren sein: Erfolg und Glück fallen einem nicht in den Schoß. Im Gegenteil, man kann das Leben als eine Ansammlung von Glücks- UND Unglücksfällen, Schwierigkeiten, unerwarteten Veränderungen, Entwicklungsbedarfen usw. usw. betrachten. Es ist also für Niemand ein Honigschlecken, sondern ein Durchboxen.

Wenn ich also Menschen sehe, die – trotz schwieriger Umstände – SEHR erfolgreich sind, dann muss ich – nach Winget – eingestehen, dass sie sich (zumindest in den meisten Fällen) ein bisschen konsequenter als ich darauf konzentriert haben, erfolgreich zu sein. Natürlich fallen mir dann sofort all die Dinge ein, die ich auch noch erledigen will oder erleben möchte. Und glücklicherweise muss ich mich ja auch nicht von Winget „anmachen“ lassen, wenn ich mit meinem Leben zufrieden bin, so wie es ist und gar nichts ändern will.

Wenn ich es mir allerdings anders wünsche, dann könnte die oben beschriebene Denklogik mir ja vielleicht genau den notwendigen Hinterntritt verpassen, den ich brauche. Ich könnte aufhören, mein Scheitern zu rechtfertigen, indem ich die schwierigen Umstände verantwortlich mache und jammere. Und ich könnte anfangen, mir zu überlegen:

  • Was mir WIRKLICH wichtig ist?
  • Ob ich dazu wirklich nicht genug weiß und mich schlau machen sollte?
  • Was ich dazu schon weiß und nicht umsetze?
  • Wie mein Leben aussähe, wenn mein Traum wahr geworden ist?

Und so kann es gehen:

Der LebensWandel Praxistipp:

  1. Mach eine Liste der Ergebnisse, von denen Du schon lange träumst und die sich bislang nicht eingestellt haben. Wenn die Liste fertig ist, gesteh Dir ein, dass Du bislang nötige Umsetzungsschritte und Umsetzungswillen hast vermissen lassen.
  2. Entscheide Dich für das Ergebnis, das Dir am meisten am Herzen liegt und mach Dir eine Liste all der Dinge, von denen Du bereits weißt, dass sie Dich dem Erfolg ein Stück näher bringen, die Du aber bislang trotzdem nicht umgesetzt hast.
  3. Fang an, davon zu träumen – und Dir diesen Traum in schillernden Farben auszumalen – wie es ist, wenn Du Dein Ergebnis erreicht hast.
  4. Und dann fang an: Setz etwas x-beliebiges von der zweiten Liste noch heute in die Tat um!

Viel Erfolg!

Anne Theißen

Üben macht glücklich!

Nach einem langen Abend hatte er – offensichtlich entgegen seinen bisherigen Gewohnheiten und sichtlich ein wenig beschwipst– unter viel Geklapper und nicht sehr platzsparend, die Spülmaschine eingeräumt. Müde maulte sie ihn an: „Wenn das die Art ist, wie Du Spülmaschine einräumst, dann mache ich es zukünftig lieber wieder alleine!“

Wenn es nicht so scheußlich gewesen wäre, hätte ich gelacht. „Wenn das die Art ist, wie Du…“ klang mir in den Ohren und ich fragte sie, ob er schon mehr als dreimal in seinem Leben Spülmaschine eingeräumt hätte? “Nein“ sagte sie, „aber muss er sich deshalb wie ein Depp anstellen?“

Ihr Satz ging mir nach: Er sollte es also können, bevor er es gelernt und geübt hatte! Bei genauer Betrachtung eine absurde Idee: Er musste sich doch ungeschickt anstellen, er konnte es ja noch nicht! Und er muss sich „so anstellen“ dürfen, damit er es lernen kann.

Als Kinder fallen wir unzählige Male, bevor wir laufen können. Fehler machen gehört zum Kindsein wie Atmen. Doch diese Selbstverständlichkeit geht irgendwann verloren. Wie und warum denn bloß? Was gewinnen wir dadurch, dass wir Experten sein wollen, ohne geübt zu haben?

Bas Kast schreibt in seinem Buch über die Liebe („Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt“ (sehr empfehlenswert)), dass jeder lernen kann, eine glückliche Beziehung zu führen, wenn er die wenigen typischen Verhaltensmuster kennt, die dazu nötig sind. Und wenn er übt.

Ich denke, das stimmt, wenn man die passende Geisteshaltung dazu entwickelt. Und diese Geisteshaltung erfordert nichts anderes, als sich zu entscheiden, „gut genug“ zu sein. Gut genug, um ein liebevoller Partner in einer glücklichen Beziehung zu sein. Gut genug, um Schuldgefühle abzulegen und wieder aus Fehlern lernen zu können. Mit der Haltung „Nobody is perfect“ und „Ich bin ok!“

Die Evolution belohnt Anpassungsfähigkeit, nicht Perfektion. Der Mensch ist – vielleicht mehr noch als alle anderen Arten auf diesem Planeten – ein „gerade gut genug“ Wesen. Weil wir keine Spezialwerkzeuge haben, brauchen wir unser überdimensional großes Gehirn. Wir überleben, weil wir lernen!

Wir leben gut, wenn wir „das Richtige“ lernen! Miteinander, voneinander, uns nachsichtig unterstützend. Und so kann es gehen:

Der LebensWandel Praxistipp:

  1. Entscheide Dich, dass Du „gut genug“ bist! Als Partner, als Kind, als Elternteil, als Mensch! Verabschiede Dich von behindernden Idealen!
  2. Verstehe jede Rückmeldung von Deinem Partner als Investition in Eure gemeinsame Zukunft: Er/sie sagt das, damit es schöner, leichter, harmonischer, eingespielter werden kann.
  3. Bedanke Dich in den nächsten drei Wochen für jede Anregung, Kritik, Vorwurf oder Feedback! Es ist wertvolle Information, auch wenn es nicht besonders geschickt vorgebracht wurde.
  4. Wähle eine Anregung aus und überlege Dir drei Verhaltens- oder Sichtweisen, die Du dazu noch haben könntest. Übe sie in den nächsten drei Wochen so oft sich die Gelegenheit bietet. (Du darfst auch Gelegenheiten suchen oder erfinden)

Anne Theißen